Archiv für die Kategorie „Befürwortungen“
Unipräsident Lenzen pro Schulreform

Hamburgs Universitätspräsident Prof. Dieter Lenzen hat sich hinter die geplante Schulreform gestellt. Ein längeres gemeinsames Lernen erhöhe eindeutig die Chancen jener, «die im Prinzip in der Lage sind aufzusteigen», sagte Lenzen dem Sender Hamburg 1 (Samstag/17.15 Uhr). Die Sorgen der Schulreformgegner, die wegen der sechsjährigen Primarschule um den Bestand der Gymnasien bangen, teile er nicht. Unter Hinweis auf die demografische Entwicklung sagte er: «Das ist überhaupt nicht das Thema. Sondern das Thema ist: Wie schaffen wir (…) genügend Potenzial für die Gymnasien, damit wir sie später nicht schließen müssen, weil es zu wenig junge Menschen gibt, die darauf gehen können.» Quelle
Hamburger Ärzte pro Schulreform
Wir, die unterzeichnenden Ärztinnen und Ärzte sind empört über den sogenannten „Aufruf der Hamburger Ärzteschaft gegen die Einführung der Primarschule“!
Wir distanzieren uns von den 47 Ärzten und deren Veröffentlichung. Diese Gruppe gibt nicht die Meinung aller Hamburger Ärztinnen und Ärzte wieder.
Leider ist nichts von der sozialen Verantwortung, die unser Berufsethos mit sich bringt, zu lesen – statt dessen eine elitäre Abgrenzung, damit die Kinder gutsituierter Kaufleute und Ärzte weiterhin unter sich bleiben, statt weitere 2 Jahre im bekannten Klassenverband gemeinsam zu lernen.
Evidenz basierte, wissenschaftlich belegte Studien zeigen eindeutig, dass längeres gemeinsames Lernen zu den messbar besseren Ergebnissen für alle führt. Wenn wir in der Medizin Evidenz-basiertes Handeln fordern, sollten die Reformgegner dies auch für die Erziehungswissenschaften gelten lassen
Es ist nicht hinzunehmen, dass diese Kollegen das Vertrauensverhältnis zwischen ihren Patientinnen und Patienten missbrauchen, um ihre elitären Ziele zu verfolgen.
Wir, unter denen viele Eltern schulpflichtiger Kinder sind, möchten vor allem den leitenden Ärzten unter den Reformgegnern den Hinweis geben, dass eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und familienfreundliche Arbeitszeiten in den Krankenhäusern den Zuzug junger Kolleginnen und Kollegen sichern und fördern würde. Hier sind auch die Ganztageskonzepte der Schulreform im Sinne der Familienfreundlichkeit zu nennen.
Wir brauchen nicht nur für unsere eigenen, sondern für alle Kinder den bestmöglichen Bildungszugang.
Hamburger Kindertagesstätten pro Schulreform
“Am 18. Juli stimmen die Hamburgerinnen und Hamburger über die Primarschule ab. Sie sollen sich entscheiden, ob sie für oder gegen die Einführung der Primarschulen sind. Hierzu hat der Betriebsrat Stellung bezogen: Im Grundsatz begrüßt und unterstützt der Betriebsrat den Ansatz des möglichst langen gemeinsamen Lernens. Eine umfassende Schulreform scheint uns nicht nur aufgrund von Studien – wie z. B. „PISA“ – angeraten, sondern auch aus pädagogischen Gesichtspunkten zwingend geboten.
Wir sehen in der grundsätzlichen Reformierung des Schulsystems für die Kinder Hamburgs die Chance, wegweisend und gemeinsam ein ganzheitliches Lernen unter Einbeziehung von sozialpädagogischen Gesichtspunkten, zu gestalten. Schülerinnen und Schüler nach der 4. Klasse in ein dreigliedriges Schulsystem einzusortieren, halten wir für antiquiert. Studien belegen, dass Kinder, die z. B. aus sozialen Brennpunkten kommen oder Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsniveau, auch einen eher niedrigen Schulabschluss erreichen. In der heutigen Zeit ist es zwingend notwendig, einen höchst- möglichen Schulabschluss zu erhalten, um im Wettbewerb um Ausbildungsplätze bestehen zu können.
Unsere Befürchtung ist: Sollte die Primarschule über die Volksabstimmung verhindert werden, wird es auch in den nächsten Jahr(zehnten) keine positiven Veränderungen geben. Eine gefährliche gesellschaftliche Ausgliederung künftiger Generationen würde fortgeschrieben werden. Wir wollen eine höchstmögliche Chancengleichheit für alle Kinder. Daher positioniert sich der Betriebsrat bei der Volksabstimmung klar für die Primarschule.
Wir hoffen, dass unsere Hamburger Kolleginnen und Kollegen ihr Recht nutzen und an derAbstimmung teilnehmen.”
Argumente aus Sicht der Erziehungswissenschaft
Öffentliche Fachtagung am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg
Ein Bericht von
Prof. Dr. Johannes Bastian
Prof. Dr. Karl-Dieter Schuck
Prof. Dr. Wolfram Weiße
Die Frage, ob Kinder länger gemeinsam lernen sollten wird anlässlich der geplanten Einführung einer sechsjährigen Primarschule in Hamburg kontrovers diskutiert. Im Juli soll es dazu einen Volksentscheid geben. In der Erziehungswissenschaft wird diese Frage vor dem Hintergrund der vorliegenden Forschungsergebnisse und mit Blick auf international erfolgreiche Schulsysteme eher befürwortend diskutiert. Anliegen der Fachtagung war es deshalb, die öffentliche Diskussion durch wissenschaftliche Argumente anzureichern und zu versachlichen.
Teilgenommen haben zwischen 400 und 500 Interessierte: Studierende, HochschullehrerInnen, Mitglieder der Bürgerschaft, der Parteien, der Gewerkschaft, der Elternkammer und viele Menschen, die sich auf die Diskussion in den kommenden Monaten vorbereiten wollen. Dazu Insa Gall in der Welt vom 22.4.: „Und so war der Andrang bei der gestrigen Fachtagung an der Universität Hamburg über die Schulreform und ihre Auswirkungen gewaltig.“
Mittelstand pro Schulreform

“Es macht Sinn, aus Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen Stadtteilschulen zu formen. Insbesondere die Form der Hauptschule ist bei den heutigen Anforderungen an Bildung überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Die Kinder, die dorthin gehen, stehen ohne eine besondere Förderung später fast unweigerlich auf der Verliererseite. Man sieht das indirekt ja auch bei der Diskussion um die Bildungsqualität von Auszubildenden, die mittlerweile fast jedes Jahr zum Ende des Schuljahres wieder aufkommt. Es kann und darf nicht sein, dass die Unternehmen ihren Auszubildenden grundlegende Kenntnisse wie Rechnen, Lesen oder Schreiben vermitteln. Das ist die Aufgabe des öffentlichen Schulwesens, und die Schulen müssen entsprechend modernisiert werden, um dieser immer anspruchsvolleren Anforderung gerecht zu werden.” Andreas Feike , Geschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft.
